Die kleine und die große Welt

 

Es beginnt mit einem Krawattenknoten. Das erste Bild im ersten Film auf "meiner" Berlinale. Hedi, ein 25 jähriger Tunesier, zeigt uns seine Welt: Ein Peugeot-Autohaus, eine äußerst dominante Mutter, eine bevorstehende, arrangierte Hochzeit. Es ist eine Welt mit engen Grenzen: Urlaub mitten in der tunesischen Wirtschaftskrise? Unmöglich, selbst wenn es um die Flitterwochen geht. Treffen mit der baldigen Ehefrau? Nur heimlich und maximal für 10 Minuten. Und dass er gerne zeichnet, das behält Hedi lieber für sich. Der arabische Frühling scheint länger her als fünf Jahre, für Träume kein Platz mehr. Doch dann muss Hedi weg aus Tunis, die Arbeit treibt ihn in eine Touristenstadt mit Hotels für deutsche Urlauber. Und auf einmal ist da Platz, Weite, ein frischer Wind. Und natürlich - eine Frau. (Wie in jeder guten Geschichte;)) Das alles hat Folgen für Hedi, seine eigene, ganz private Revolution scheint plötzlich möglich... Mir hat das gut gefallen, dabei zu sein auf diesem Weg, der immer weniger mit dem Krawattenknoten zu tun hat. Und immer mehr von Hedi offenbart. Spannend und mitreißend. Meinem Freund, Christoph, war das allerdings nicht überraschend genug. Schon eine halbe Stunde vor Ende hat er prophezeit, wie die Geschichte ausgehen wird. Und was soll ich sagen: Er hatte recht! Trotzdem, "Hedi" von Mohamed Ben Attia war ein toller Auftakt, ein guter Wettbewerbsbeitrag, wenn auch, aus meiner Sicht, kein Kandidat für den Goldenen Bären. Von mir bekommt er dreieinhalb Sterne von fünf möglichen, von Christoph drei.

 

"Hedi" von Mohamed Ben Attia - XXXx

 

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Mein Name ist Sandra und ich bin leseverrückt. Allerdings nicht verrückt verrückt, nur normal-verrückt;).

Bücher gehören für mich zum Leben dazu. Ich habe immer, wirklich immer eins auf dem Nachttisch, egal wie stressig die Welt drumherum ist. Ich kann schlicht nicht ohne;) Nicht ohne gute Geschichten!

Und daran möchte ich Euch teilhaben lassen. Euch anregen, Anregungen bekommen, Begeisterung teilen! Über Bücher, über Drehbücher, also Filme, und sonstige gute Geschichten.

Die Auswahl erfolgt dabei ganz subjektiv, je nachdem, was mich gerade umtreibt. In der Regel ist das zeitgenössische Literatur aus Europa, den USA, manchmal aus Indien.

Wenn ich nicht lese, arbeite ich als Journalistin, Moderatorin und Trainerin.

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