Tristess auf polnisch

Manchmal passt alles gut zusammen. Es ist Samstag Morgen, neun Uhr, der Himmel bedrückend grau, wir nach einer Woche Berlinale schon ziemlich müde. Als der Vorhang dann aufgeht, sieht es auf der Leinwand kaum anders aus: Eine Kleinstadt irgendwo in Polen kurz nach der Wende. Jeans sind nach wie vor eine Sensation, dafür tanzt eine Gruppe Frauen in der Turnhalle zu US-Pop Aerobic-Schritte nach. Dass das alles wenig freudvoll wirkt, liegt auch an den Farben. Die Bilder sind entsättigt und wirken dadurch eigentümlich kühl. Das ist die Kulisse für die vier Frauen, um die es geht in "United States of Love".

 

Da ist Agata, verheiratet, eine Tochter, deren Herz aber ganz offensichtlich für einen Priester schlägt. Sie beobachtet ihn heimlich, begehrt verzweifelt und betet mit Inbrunst. Und dann Iza, die Schuldirektorin. Immer tadellos gekleidet, durchaus mit einer gewissen Strenge. Die verliert sie allerdings, sobald sie mit ihrem Geliebten zusammen ist, einem frisch verwitweten Arzt. An derselben Schule unterrichtet Renata, die etwas in die Jahre gekommene Russischlehrerin, die sich nach der Nähe ihrer jungen Nachbarin sehnt. So sehr, dass sie sogar einen Sturz auf der Treppe initiiert. Die begehrte Nachbarin wiederum ist Marzena. Sie ist die Tanzlehrerin und außerdem die Schwester von Iza und sie träumt von einer internationalen Modellkarriere. Dieser Episodenfilm von Tomasz Wasilewski zeigt starke Frauen, die mit ihren Sehnsüchten, ihren Hoffnungen aber auch mit der Leere leben müssen. Innere Umbrüche in einer bewegten Zeit. Schließlich beginnt auch das Land Anfang der 90er gerade erst, nach seiner neuen Identität zu suchen. 

 

"Das wichtigste in Eurem Leben wird die Liebe sein". So bringt es der Priester schon den Kleinen im Religionsunterricht bei. Was aber passiert, wenn die Liebe enttäuscht wird oder gleich ganz unerfüllt bleibt, das zeigt "United States of Love". Verreint sind die Frauen nicht in der Liebe, aber in ihrer Sehnsucht danach. Und in ihrem Spiel. Alle vier leisten Großartiges, wenn sie vor der Welt zu verbergen suchen, was sie innerlich fast zerreißt. Das mit anzusehen ist trist, traurig und doch unheimlich gut.


"United States of Love" von Tomasz Wasilewski - XXXX

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Kommentare: 2
  • #1

    zimtsternchen und mehr (Sonntag, 28 Februar 2016 14:56)

    Leider habe ich den Film noch nicht gesehen, die Beschreibung macht aber Lust auf ihn. Ob er jemals in die deutschen Kinos kommen wird?

  • #2

    Sandra (Sonntag, 28 Februar 2016 21:54)

    Denke schon, dass der Film früher oder später in Deutschland ins Kino kommt. Schließlich hat die Berlinale ihn mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch ausgezeichnet, das erhöht die Chancen!

 

 

 

 

 

Mein Name ist Sandra und ich bin leseverrückt. Allerdings nicht verrückt verrückt, nur normal-verrückt;).

Bücher gehören für mich zum Leben dazu. Ich habe immer, wirklich immer eins auf dem Nachttisch, egal wie stressig die Welt drumherum ist. Ich kann schlicht nicht ohne;) Nicht ohne gute Geschichten!

Und daran möchte ich Euch teilhaben lassen. Euch anregen, Anregungen bekommen, Begeisterung teilen! Über Bücher, über Drehbücher, also Filme, und sonstige gute Geschichten.

Die Auswahl erfolgt dabei ganz subjektiv, je nachdem, was mich gerade umtreibt. In der Regel ist das zeitgenössische Literatur aus Europa, den USA, manchmal aus Indien.

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